Mit Daten, Achsen und Teamgeist nach UK
- Datum: 24.09.26
Ladung transportieren, die selbst Räder hat – das klingt einfacher, als es ist. Wer Pkw, Wohnmobile, Fahrgestelle, schwere Nutzfahrzeuge oder Landmaschinen sicher bewegen will, braucht mehr als einen klassischen Autotransporter. FVG aus Wildeshausen versteht sich deshalb als Spezialist für „selbstrollende Ladung“. Statt Standardlösungen baut das Unternehmen Fahrzeugtransporter, die vom Pkw bis zum Mähdrescher alles abdecken.
Mit dieser Spezialisierung ist das erst 2014 gegründete Unternehmen erfolgreich auf Wachstumskurs; Kunden in 23 Ländern vertrauen bereits auf Transportlösungen von FVG. Jetzt kommt ein besonders anspruchsvoller Markt dazu: Großbritannien. Erste Fahrzeuge sind bereits bei Kunden in London und Manchester im Einsatz.
Denn der britische Markt folgt eigenen Spielregeln. Neben abweichenden Fahrzeugabmessungen steht dort vor allem die Bremsperformance im Fokus: Betreiber müssen die Wirkung der Bremsanlage bei Sicherheitsinspektionen belastbar nachweisen. Für FVG bedeutete das: bestehende Konzepte anpassen, neue Lösungen entwickeln – und zugleich ein Umfeld meistern, in dem Dokumentation, Bremsdaten und digitale Überwachung eine zentrale Rolle spielen.
„Großbritannien ist für uns weit mehr als ein neuer Absatzmarkt. Die Anforderungen haben unsere Fahrzeuge und Prozesse auf ein neues Niveau gehoben“, sagt Ingo Pintaske von FVG.
Der Zulassungsprozess ist streng und forderte zusätzliche Nachweise, ergänzende Dokumente und spezielle Bremsprüfungen. Entscheidend war nicht nur die Technik, sondern auch die Fähigkeit, schnell und zuverlässig auf Rückfragen zu reagieren.
Hier kam BPW ins Spiel. FVG setzt seit Jahren auf BPW Tiefladerachsen für 17,5-Zoll-Bereifung – in einem Segment, in dem Zuverlässigkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Service weltweit zählen. Für das UK-Projekt gewann diese Partnerschaft neue Bedeutung. Mit dem iC Plus Fahrwerksystem und serienmäßiger Telematik-Vernetzung liefert BPW eine Lösung, die nicht nur robust ist, sondern auch Daten für den laufenden Betrieb bereitstellt.
Gerade in Großbritannien wird diese Transparenz zum Vorteil. iC Plus ermöglicht in Verbindung mit der Telematik die Nutzung von EBPMS – Electronic Brake Performance Monitoring System. Das System überwacht die Bremsleistung des Trailers kontinuierlich im laufenden Betrieb, analysiert geeignete Bremsvorgänge anhand von EBS- und Telematikdaten und erstellt daraus Berichte zur Bremsperformance. So lassen sich Abweichungen früh erkennen, Wartungen bedarfsgerechter planen und wiederkehrende Rollenbremsprüfungen reduzieren. In UK vermarktet BPW die Lösung unter dem Namen Brake Trac Pro.
Mindestens ebenso wichtig wie die Technologie war für FVG der persönliche Support. Mit Martin Eisele sowie Caren Freudenberg und Bernd Rhein standen bei BPW feste Ansprechpartner zur Verfügung, die Dokumente, technische Rückfragen und Abstimmungen zuverlässig koordinierten und das Projekt während der gesamten Umsetzung eng begleiteten. Als die britischen Behörden Nachweise verlangten oder kurzfristig Antworten brauchten, war BPW schnell erreichbar – auch außerhalb üblicher Zeiten. „Gerade bei anspruchsvollen Exportprojekten entscheiden oft die Details. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden nicht nur mit Fahrwerkstechnik, sondern auch mit Know-how, Dokumentation und kurzen Reaktionszeiten“, so Martin Eisele.
Aus einer Lieferantenbeziehung wurde eine Arbeitsgemeinschaft: FVG brachte den Spezialfahrzeugbau ein, BPW die Kompetenz für Fahrwerke, Bremsen und Dokumentation. Hinzu kommt: BPW ist in Großbritannien seit Jahrzehnten präsent – inklusive eigener Tochtergesellschaft mit Vor-Ort-Montage in Leicester. Für Fahrzeugbauer wie FVG bedeutet das lokale Nähe, Marktkenntnis und die Sicherheit, dass auch der Aftersales-Service funktioniert.
Für FVG zahlt sich der Aufwand doppelt aus. Die ersten Fahrzeuge rollen, die Kunden sind zufrieden, und die Erfahrungen aus Großbritannien stärken das Unternehmen für weitere Märkte und Typgenehmigungen. Der Markteintritt in Großbritannien wird so zur Blaupause: Wer rollende Ladung international bewegen will, braucht flexible Fahrzeugkonzepte, digitale Fahrwerkstechnik und Partner, die Verantwortung übernehmen.
Was EBPMS leistet
EBPMS steht für Electronic Brake Performance Monitoring System. Die Lösung von BPW idem telematics überwacht die Bremsleistung des Trailers kontinuierlich im Betrieb. Dazu werden Daten aus dem elektronischen Bremssystem und der Telematik kombiniert, geeignete Bremsvorgänge automatisch analysiert und Berichte zur Bremsperformance erstellt. Flottenbetreiber können Auffälligkeiten früh erkennen, Wartungen gezielter planen und ungeplante Ausfälle reduzieren. In Großbritannien, wo Fahrzeugbetreiber jährlich mindestens vier Roller Brake Tests (RBT) im beladenen Zustand des Trailers durchführen müssen (einschließlich der Hauptuntersuchung MOT), trägt EBPMS dazu bei, drei dieser RBTs durch kontinuierliche digitale Überwachung zu ersetzen. In UK vermarktet BPW die Lösung unter dem Namen Brake Trac Pro.
BPW in Großbritannien
BPW Limited ist seit 1987 in Großbritannien etabliert. Am Standort Leicester betreibt das Unternehmen eigene Achsmontagelinien und steht Kunden vor Ort aktiv zur Seite – von Service und Ersatzteilen bis zur Beratung bei Bremsperformance und Compliance-Fragen.


